Saisonanlass Halloween : Schrecklich gute Ums...
Saisonanlass Halloween

Schrecklich gute Umsätze

Alexander Heimann
Fan vom Gruselfest: Edeka-Kaufmann Michael Pessios.
Fan vom Gruselfest: Edeka-Kaufmann Michael Pessios.

Starkes Wachstum mit etlichen Sortimenten: Richtig inszeniert, bringt Halloween viel Umsatz. Der Edeka-Kaufmann Michael Pessios aus dem Taunus weiß, wie man das Event im Supermarkt emotional auflädt.

Jeden Monat ein paar Tage lang 5 Prozent Umsatz draufsatteln – schön wär’s. Im Oktober ist das möglich, ausgerechnet mit dem letzten Tag: Das Keltenfest Halloween wird immer populärer, schafft immer stärkere Verkaufsanlässe. Michael Pessios, Inhaber zweier Edeka-Märkten in Bad Schwalbach und Taunusstein, ist Vorreiter, hat die Gruselnacht vor fünf Jahren als Umsatzpusher entdeckt und setzt seitdem stark darauf. Denn der Trend zur „Eventisierung“ erreicht auch Supermärkte. „Die Deutschen kann man für neue Anlässe leicht begeistern“, so der 37-jährige Kaufmann zur Ausgangslage. Er selbst ist durch seine US-amerikanisch verheiratete Schwester darauf gekommen. In Nordamerika spielt Halloween eine große Rolle.

Mehr Inszenierung

Zwar sind Süßwaren und Gruselaccessoires am 31. Oktober und in der Woche davor für die meisten Kaufleute nichts komplett Neues. Aber bei der Inszenierung (und damit beim Umsatzplus) dürfte bei vielen noch Luft nach oben sein. Etwa in der Theke: „In den USA machen die Erwachsenen abendliche Grillpartys, während die Kinder umherziehen.“ Pessios, der selbst in einem Neubaugebiet mit jungen Familien wohnt, weiß, dass das mittlerweile kopiert wird.

Folglich bietet er „Draculapfanne“ oder „Frankensteinspieße“ an. Dieses Jahr sollen Fisch und Käse dazu kommen. Auch das Thema Backen spielt bei diesen Partys eine Rolle – Stichwort Muffins. „In der Woche vor Halloween verdoppeln wir den Umsatz mit den Backwaren“, so Pessios. Gleiches gilt für Spielwaren und Deko-Artikel. Bei Spirituosen sind – aktionsbereinigt – 40 Prozent mehr drin. Praktisch: Da Halloween auf den Monatsletzten fällt und das Gehalt der Kunden kürzlich eingegangen ist, sitzt das Geld locker. Superpraktisch: 2020 ist Halloween an einem Samstag – perfekt für Partys.

Beim Hauptsortiment Süßwaren und Knabberartikel verbucht Michael Pessios starke 20 Prozent Zusatzumsatz. Was gefragt ist: Gummiwaren von Haribo, Trolli oder Look-O-Look. Beutel-Miniaturschokoladen von Mars, Ferrero oder Hohlfiguren. Ergänzend US-Ware, die Pessios über Importeure wie Foodpackers und Liquid Energy beschafft: „Reese‘s“, süße Schokoladenteilchen mit Erdnussbutterfüllung. „Lifesavers“-Bonbons und Marshmallows von „Lucky Charms“. Dazu bei Getränken die Softdrink-Klassiker Dr. Pepper und Mountain Dew.

Mehr Halloween-Ware

Alles Artikel, die auch im Januar während des Super Bowls, ebenfalls ein großes US-Event, wichtig sind. Die Zentralen erkennen den Trend, schalten mehr Halloween-Ware auf. So gibt‘s etwa bei Edeka Pessios Reese‘s im Viererpack.

Mindestens zwei Europaletten an Ware bestellt Michael Pessios, hinzu kommen Nonfood und Deko. Masken, Schminke, „abgerissene“ Finger, Umhänge, Zauberstäbe, Spinnen. Und natürlich Kürbisse. Pessios bezieht sie regional, in vier Größen. „Allein von den XL verkaufen wir acht Boxen.“ Das sind 320 Stück.

Wann die Ware geordert werden sollte: „Genau jetzt.“ Das Ganze sichtbar zweitplatzieren und gute Verbundplatzierungen schaffen, rät der Kaufmann. Hersteller wie Mondelez (Milka) haben schon Displays im Programm. Pessios findet das gut, sagt aber auch, dass die Markenartikler ruhig noch mehr machen könnten.

Kunstwerke aus Kürbissen

POS-Events sind die Krönung. Der Halloween-Fan Michael Pessios lädt schon am 19. Oktober für mehrere Tage den „Fruit Dude“ ein, einen Schnitzer, der aus Kürbissen echte Kunstwerke macht. 2019 mit einer Schulklasse, dieses Jahr – soweit möglich – im offenen Zelt vor dem Markt, mit Kindergärten und allen anderen interessierten Kunden.
Besser verkaufen
10 Tage: Halloween-Umsatz beschränkt sich nicht auf den 31. Oktober. Fangen Sie am Wochenende vorher damit an.

Halloween-Sortimente: Süßwaren, Nonfood, Theke, Getränke. Kürbisse pur oder fertig verziert vom Event-Schnitzer, etwa: www.fruit-dude.com.

Platzierungen: Bei Michael Pessios im Eingang, bei O&G, an der Theke, bei Süßwaren und Getränken.

Aufgabenverteilung: Marktleiter oder Artikelverantwortliche bestimmen Plätze. Abteilungsleitung O&G macht Kürbisaufbau, Metzger erarbeitet Thekeninhalt. Süßwaren- und Nonfood-Leiter bestücken und dekorieren ihre Abteilungen.

Kommunikation: Im Markt, via Flugblätter oder Handzettel. Sowie stark über Social Media.
Am Ende entsteht eine echte Gruselgalerie, die den Markt noch einzigartiger macht. Da legen der Kaufmann und sein Team schon vor: Spannbanner und T-Shirts mit schaurigem „Edeka Pessios Halloween“-Logo, Vogelscheuchen, bemalte Permanentkürbisse, Spinnennetze – sobald es dunkel wird, kommt Geisterstimmung auf im Supermarkt.

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