Kolbrücks Kracher: Wie Details (und Genderste...
Kolbrücks Kracher

Wie Details (und Gendersternchen) Akzente setzen

IMAGO / agefotostock
Digital Signage im Supermarkt. Auch damit kann man Highlights setzen.
Digital Signage im Supermarkt. Auch damit kann man Highlights setzen.

Wer sich modisch beraten lässt, erhält oft folgenden Hinweis: „Mit kleinen Details Akzente setzen“. Was für Fashion gilt, gilt ebenso für Märkte. Es sind die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Das gilt für Gendersternchen ebenso wie für Digital Signage.

Diesem Aufreger konnte man dieser Tage gar nicht entgehen: In der Filiale von Edeka-Kaufmann Michael Wollny in Friedberg bei Augsburg gab es plötzlich Student*innenfutter.
Knabberzeug mit Gendersternchen. Im Mehrwegglas.
Dafür gab es gewaltigen Zuspruch, aber auch ein Shitstörmchen. Boykott-Drohung inklusive. Vermutlich von (ganz bewusst nicht gegendert) Kunden, die sowieso beim Einkauf und auch sonst immer irgendwie unglücklich wären mit der Welt sind.
Die Nüsse rauschten durch die Tagespresse, Wollny gab jetzt.de ein Interview und blieb sonst ganz gelassen. Er kennt das und hat einen sechsten Sinn für virale Themen und schon Impf-Mythen öffentlichkeitswirksam durch den Kakao gezogen.

Es ist seine Haltung, die hier die Akzente setzt. Sie sorgt gewiss für die entsprechenden Schwingungen im Markt.
Apropros Vibes: Das mega-muntere Tanzvideo samt Sommerhit von Edeka Stiegler haben Sie sicher schon gesehen. Es ist schon jetzt ein viraler Hit. Und ein paar Stars und Sternchen mischen da, deutlich unverfänglicher als beim Edeka-Kollegen, ebenfalls mit. Auch das ist eine Facette, die ein eigenes Ausrufezeichen setzt. 

Kleine Bausteine sorgen für Mehrwert

Wer eher sich nicht in den viralen Kosmos wagen möchte und handfeste Lösungen bevorzugt, der braucht kleine Details, die einem Markt erst die nötige Seele verleihen, die ihn zum einem Ort macht, den man gerne besucht. Dafür muss man nicht einmal zwingend das große Markthallen-Spektakel inszenieren.

Manchmal sind es jene kleinen Elemente, die einem zunächst überflüssig erscheinen, die den Unterschied ausmachen. So wie der Zug, der an der Decke vom Edeka-Rentschler-Markt in Eutingen fährt. Das hat Charme. Zumal kleine (und große) Kinder den Startschalter für eine Sonderfahrt drücken können.
38 Meter auf Schienen durch den Markt.
Edeka Rentschler
38 Meter auf Schienen durch den Markt.

Individuelle Grußbotschaften

Natürlich kann man auch auf etwas modernere Technik setzen. Im mit Innovationen rappelvollen Markt der britischen Handelskette Asda in Stevenage entzückt beispielsweise ein Automat, mit dem man Schokoladentafeln mit individuellen Grußbotschaften bedrucken kann. Vermutlich mit so viel Herzchen oder auch Gendersternchen wie man möchte. Das Signal ist jedenfalls klar: Man kommt sich um jedes persönliche Bedürfnis.
Wer mehr Richtung Marketing denkt und Hippness verbreiten will, hat vielleicht Freude an einem digitalen Merchandising-Display aus der Abteilung Digital Signage. Starbucks testet das beispielweise in Asda-Supermärkten.  

Die Displays, die in den Gang ragen, zeigen dann unter anderem Produkt- und Preisinformationen. Was bei Linsensuppe vielleicht weniger Sinn macht, bei Starbucks mit seiner Range an Venti-Latte-Espresso-Vanilla-Cappuccino und Co aber womöglich schon. Mir (Kaffee, schwarz) wäre das ja eh alles zu kompliziert. Derlei Digital Signage kann man (auch als Teetrinker) aus drei Gründen mögen:
  • Es gibt dem Markt eine innovativere Atmosphäre.
  • Es hilft verkaufen.   
  • Und es wäre eine weitere Gelegenheit, Werbekostenzuschüsse zu verlangen.
Letzteres überzeugt dann auch weniger feingeistige Planer. Wenn man sich um Details für die Atmosphäre kümmert, ist es ja nicht verkehrt, wenn dann auch WKZ an anderer Stelle Akzente setzen können.

Vertrauen verbreiten

Weil es ja immer von Vorteil ist, wenn der Kunde was zu gucken hat, machen sich auch Livestreams aus dem Stall über der Fleischtheke gut. Wenn man sich da denn zutraut und die entsprechenden Lieferanten hat. Im Rewe-Markt in Düsseldorf -Eller wird Kundinnen und Kunden jedenfalls an der Fleischtheke Live-Fernsehen aus dem Schweinestall geboten. So kann man sich beim Einkauf überzeugen, dass die Tiere gut untergebracht werden. Oder sollte man beim Blick auf das Kotelett besser sagen „untergebracht waren“.

Solche Transparenz schafft Vertrauen und strahlt auf das gesamte Sortiment des Marktes aus. Rewe-Kaufmann David Hegemann schaffte es mit dem Schweine-TV sogar ins TV.

Derlei motiviert dann wieder die Mannschaft. Und schon hat sich der Aufwand mehr als gelohnt.

Man kann natürlich auch mit weniger Strom und weniger Internet-Rummel auskommen.
Leider etwas in Vergessenheit geraten sind offenbar die Wassermelonen-Künstler:innen, die für die Obst- und Gemüseabteilung kreative Formen und Bilder in rundes Obst schnitzen. Bei Edeka Esslinger am Bodensee bekommt man das schmucke Element jedoch gerade zu sehen. Man könnte auch Gendersternchen reinschnitzen. Aber man soll die Dinge ja nicht mit zu vielen Einzelheiten überfrachten.
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