Store-Check: Dieser Edeka hat eine große Seel...
Store-Check

Dieser Edeka hat eine große Seele

Hans-Rudolf Schulz
Vielseitig: Edeka-Kaufmann Robin Hertscheck.
Vielseitig: Edeka-Kaufmann Robin Hertscheck.

Rund 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche und 17.000 Artikel bietet der Edeka-Markt von Robin Hertscheck in Neubiberg. Klingt nach Routine. Doch der Markt ist alles andere als das.

Schon die Vita von Robin Hertscheck, 32, ist alles andere als gewöhnlich. Seine Ausbildung machte der Stuttgarter bei Aldi, wollte dann Zweiradmechaniker werden. Doch stattdessen landete er bei der Edeka-Südwest. Mit 23 Jahren war er bereits Marktleiter. Vor zwei Jahren nutzte er dann die Chance, als selbstständiger Kaufmann seinen eigenen Laden zu führen.  

Es gibt immer wieder Märkte, in denen gute Ideen umgesetzt werden. Und dann gibt es Märkte, die vor Ideen nicht nur sprühen, sondern diese Lösungen zu einem Gesamtkonzept verbinden. Die besten von ihnen lassen dann die Seele des Kaufmanns erkennen.

Ausrufezeichen für die Nachhaltigkeit

Robin Hertscheck hat in Neubiberg so einen Markt geschaffen. Wenn Sie sehen wollen, wie man inhaltlich, konzeptionell und optisch das oft bemühte Wort vom Erlebniseinkauf umsetzen und in das Jahr 2020 übertragen kann, dann schauen Sie sich in diesem Markt um.

Store-Check: In diesem Edeka wird Nachhaltigkeit gelebt



Natürlich spielt auch in diesem Markt Nachhaltigkeit eine große Rolle. Wer heutzutage nicht darauf setzt, ist ja irgendwo in den 80er Jahren stecken geblieben.

Aber hier wird Nachhaltigkeit nicht nur mit einem Milchautomaten gezeigt, wird ein Infarm-Regal für Salat- und Kräuteranbau genutzt, gibt es einen zusätzlichen unverpackt-Laden namens „Hertscheck UNPACKED“ mit rund 150 qm Fläche, sondern auch Ladenbau und Gestaltung setzen dabei klare Ausrufezeichen.

Naturnah und wohnlich

Außergewöhnlich ist beispielsweise eine Deckengestaltung mit Naturmoos. Das System kommt ohne zusätzliche Bewässerung aus und verbessert das  Raumklima, indem es die Luftfeuchtigkeit aufnimmt und Sauerstoff abgibt. Das sieht so gut aus, dass es vielleicht ganz sinnvoll ist, dass derlei über einem schwebt, sonst würde noch manch ein Kunde womöglich ein wenig Moos mit in den Wagen packen.

Sehenswert und ein Signal ist auch das Mobiliar. Da stehen dann Vintage-Kommoden im „Shabby“-Chic am Produktregal. Das ist keine billige Kaufhausware, sondern es sind Möbel mit Geschichte: Einiges an Deko und Kommoden haben Kunden sogar extra vorbeigebracht. Auch das ist gelebte Nachhaltigkeit.

Da geht noch mehr: Auch in der Obst- und Gemüseabteilung soll der unverpackt-Gedanke so weit wie möglich umgesetzt werden. Dort gibt es schon jetzt den verpackungsfreien Donnerstag mit 10 % Rabatt auf O & G. Ab Januar will Hertscheck in der Obst und Gemüseabteilung so gut wie plastikfrei sein.

Dass es ihm dabei nicht nur um Umsatz geht, zeigen andere Detail: Der Edeka-Kaufmann trägt sich sogar mit dem Gedanken, in naher Zukunft auf den Verkauf von Zigaretten in seinem Markt zu verzichten.
Die Gesundheit  seiner Kundschaft ist ihm auch sonst wichtig. Jeden Samstagvormittag bietet er ein kostenloses Outdoor-Training vor dem Markt an.

Lokale Aktionen

Ohnehin denkt Hertscheck über den Eingangsbereich hinaus, denkt dabei eben nicht nur an das sonst so gerne praktizierte Sponsoring lokaler Fußballvereine, und holt diese lokalen Aktivtäten geschickt wieder zurück in den Markt, der damit aufgewertet wird.

So werden beispielsweise im Mopro-Bereich Grafiken und Gemälde eines lokalen Künstlers präsentiert, an anderer Stelle können sich Kunden über Hertschecks karitative und sportliche Projekte oder die Arbeit von Umweltinitiativen informieren.

Dabei geht es nicht nur um „Heile Welt“ und das „Tue Gutes und rede darüber“-Prinzip. Es darf auch konsumkritisch sein. So als im Sommer zwei Münchner Architekturstudenten auf der Ladenfläche ihre durchaus konsumkritische Bachelorarbeit präsentierten. Geblieben ist von dieser Aktion unter anderem eine Kassenbon-Installation zwischen den Rolltreppen zur Tiefgarage und Exponate eines ungewöhnlichen Fotoprojektes zum Thema Menschen und  Verpackungsmüll.

Und wer dann noch nicht genug von der Seele des Kaufmanns gesehen hat, der kommt an jenen Produkten vorbei, die sonst kein anderer Edeka im Angebot haben dürfte - BMX-Fahrräder, Wakeboards und Accessoires, Helme und  Sportbekleidung. Um einem BMX-Laden und einem Wakeboard-Startup in der Corona-Zeit zu helfen, bietet Hertscheck deren Produkte im Markt zum Verkauf an. Diese Artikel sind über den gesamten Laden verteilt, finden sich in etwas konzentrierter Form auch im sogenannten Hertsch-Eck – und sind auch keinesfalls Ladenhüter.
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