Nachhaltige Kooperation : So punktet Edeka Sc...
Nachhaltige Kooperation

So punktet Edeka Scherer mit regionaler Frische

Hans-Rudolf Schulz
Die Edeka-Kaufleute Agnes und Georg Scherer.
Die Edeka-Kaufleute Agnes und Georg Scherer.

Gemüse vom örtlichen Landwirt, täglich frisch, mit kurzen Transportwegen: Der Schnaitseer Edeka-Kaufmann Georg Scherer hat eine nachhaltige Kooperation aufgebaut. Den Kunden schmeckt‘s, der Umsatz stimmt.

  

Während des Interviews zu seinem nachhaltigen  Sortiment erhält Georg Scherer eine WhatsApp-Nachricht: „Schlangengurken müssen diese Woche noch wachsen. Salate und Zucchini können normal bestellt werden“, liest der Edeka-Kaufmann aus dem Landkreis Traunstein mit Hauptsitz Schnaitsee vor. Sein Lieferant steht zur selben Zeit nur drei Kilometer entfernt im Feld.

Nachhaltigkeit ist heute vor allem lokal. Und schnell. In der Absprache, in der Lieferung. Georg Scherer, 41, und seine Frau Agnes betreiben im Voralpenland sieben Märkte. Vor Jahren haben sie erkannt, dass Supermärkte in Zukunft Marktplätze der Frische sein werden. 

Mit dem Gastrokonzept „Schereria“ und eigener Großküche spielen sie vorne mit. Genauso mit Lokalware. 50 Lieferanten haben sie. Keiner liefert so viel wie Andreas Zwieselsberger, der Versender der WhatsApp-Nachricht.  95 Prozent seiner 5-Hektar-Ernte  gehen an Scherer. Zucchini, Salate,  Gurken, im Winter Chinakohl, Weißund  Blaukraut. Hit dieses Sommers: bayerische Wassermelone, kernarm, süß. 

Beispielhafte Kooperation

Die Kooperation, bei der Zwieselsberger  den Part eines Vertragslandwirts ohne feste Verträge einnimmt, ist beispielhaft. Dafür, wie Kaufleute  lokale Nachhaltigkeit und Ertragskraft verbinden. Der Kontakt kommt im Jahr 2015 über Agnes Scherer zustande. Zwieselsberger hat sich schon einmal an Gemüse versucht, 2001 aber aufgehört. 
Edeka Scherer Trostberg
Verkaufsfläche: 1.800 qm
Mitarbeiter: 70 (350 gesamt)
Artikel: 35.000
Durchschnittsbon: 24,00 Euro
Es ist die große Zeit der Discounter,  Lokalware ist nicht mehr gefragt. Vor etwa fünf Jahren ändert sich das.  Zwieselsberger legt wieder drei Hektar an, startet mit Chinakohl. Georg Scherer,  auf der Suche nach gutem Gemüse  für sein Frischekonzept, schaut sich das  Feld an, vereinbart eine Probelieferung.  Ergebnis: „Tolle Verkaufszahlen“. 

Seit dem Tag im Herbst 2015 ist  eine stabile Kooperation entstanden. Mit wöchentlichen, oft täglichen  E-Mails, Telefonaten oder Treffen im Markt. Nach Chinakohl folgen im Sommer 2016 Salate.

Nachhaltige Kooperation: So wird`s gemacht: Regionale Frische bei Edeka Scherer


Verträge? „Das  handeln wir locker“, so der Landwirt.  „Ein paar einfache Verträge gibt es  schon“, sagt Scherer.  Für Abnahmesicherheit  auf Jahresbasis. Meist aber  gilt der Handschlag. Flexibilität ist  Trumpf.

Flexibilität ist Trumpf

Etwa, wenn die Gurken nicht  so wachsen, wie sie sollen. Scherer stellt dann ein Plakat im Markt auf:  „Momentan nicht verfügbar. Die  Gurken müssen wachsen.“ Ersatzware kommt dann von der Edeka. 

Auch Übermengen sind kein Problem. Dann muss ein kleiner Rabatt drin sein für Scherer, schließlich soll nichts im Müll landen. Generell bekommt Zwieselsberger gutes Geld, 10 bis 20 Prozent mehr als der Listenpreis  der jeweiligen Woche.

Sind die  Edeka-Gurken im Angebot, kann er  auch mal aussetzen. Der Standardpreis  für die lokale, bissfeste Schlangengurke beträgt für Endkunden 1 Euro. Von der  Qualität ist Scherer überzeugt. Ernte  am Sonntag, Verkauf am Montag: Das schmeckt einfach besser als Ware,  die noch während des Transports reift.

10 Prozent Zusatzumsatz

Die Auslieferung übernimmt Zwieselsberger täglich ab 06.30 Uhr. Von der Kooperation profitieren  beide. Andreas Zwieselsberger hat  einen sicheren Abnehmer. Georg Scherer  kann mit Ultra-Lokalware und  Nachhaltigkeit werben. Sein Landwirt  produziert dank Bio-Mullfolie, unterschiedlicher Fruchtfolge und 3-Hektar-Kleewiese pestizidarm, boden- und bienenfreundlich.

Und er kann sich profilieren. „Lidl macht aktuell auf Nachhaltigkeit“, so Scherer. „Aber so  lokal oder schnell kann er nie sein.“ Monetär lohnt es sich: 10 Prozent Zusatzumsatz kommt während der  Saison durch die Lokalware rein. Und weil sein Landwirt nach Rücksprache zurzeit auf drei Gurken-Folienhäuser aufstockt, dürfte die Saison noch länger und einträglicher werden. 
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