Local Exotics: Nachhaltigkeit mit dem gewisse...
Local Exotics

Nachhaltigkeit mit dem gewissen Extra

IMAGO / Westend61

Obst und Gemüse landen seit Beginn der Pandemie häufiger denn je auf den Tischen deutscher Konsumenten. Nachhaltig hergestellte Produkte stehen besonders hoch im Kurs. Dadurch kamen deutsche Erzeuger auf die Idee, Früchte aus fernen Ländern bei sich anzubauen. Das Ergebnis sind die sogenannten Local Exotics.

Wer hätte gedacht, dass Edamame auch in Deutschland gedeihen? Die kleinen grünen Sojabohnen sind eigentlich im asiatischen Raum beheimatet. Seit 2020 wird das Trendgemüse allerdings auch erfolgreich in der Pfalz angebaut. Damit dürfte es zu den ersten von vielen exotischen Produkten gehören, die experimentierfreudige deutsche Landwirte auf ihren Äckern kultivieren – und das aus gutem Grund.   

Edamame und andere Exoten aus heimischem Anbau versprechen interessante Absatzpotenziale“, meint Dr. Christian Weseloh, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse. „Denn deutsche Verbraucher lassen einen wachsenden Bedarf an vegetarischen und veganen Grundnahrungsmitteln erkennen.“ 
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Edamame sind auch deshalb sehr gefragt, weil viel Gutes in Ihnen steckt.
Schließlich rückt Gesundheit seit Ausbruch von Corona mehr denn je ins Blickfeld. Um sich eine Extraportion Vitamine zu verschaffen, greifen die Deutschen verstärkt zu Obst und Gemüse. Das belegen die monatlichen Umfragen von POSpulse, einem crowd-basierten Marktforschungsunternehmen in Berlin.
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Außerdem achten die Konsumenten mehr auf nachhaltige Herstellung, was sich zum einen durch die erhöhte Nachfrage nach regionalen Erzeugnissen bemerkbar macht. Zum anderen tragen Siegel, die für Bio und fairen Handel stehen, immer häufiger zu einer positiven Kaufentscheidung bei.  

Schonender Anbau im Ausland


Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, müssen Händler nicht nur größere Mengen vorhalten, sondern auch eine breitere Auswahl anbieten. Beides lässt sich kaum ohne Produkte von europäischen Landwirten bewerkstelligen. Die Nachhaltigkeit kommt dabei trotzdem nicht zu kurz – wie HoneyCrunch beweist.

Hinter diesem Namen steckt eine Apfelsorte, die Pomanjou International vertreibt. Dem französischen Unternehmen zufolge sind die Früchte „besonders resistent gegen Krankheiten und ermöglichen einen nachhaltigen Anbau“.

Gute Voraussetzungen, um das HVE-Siegel zu beantragen, mit dem sich seit 2021 die französischen Obstplantagen schmücken können. Es steht für Haute Valeur Environnementale und lässt sich mit „großer Umweltnutzen“ übersetzen.  

Ein weiteres Beispiel für schonende Landwirtschaft liefern belgische Erzeuger. Vor allem wenn das Obst und Gemüse mit dem Flandria-Prüfsiegel ausgezeichnet wurde. Das gilt für über 70 Produkte, die im Freiland oder im Glashaus wachsen. Obendrein setzen Flandria-Betriebe auf neue Erzeugnisse, zu denen beispielsweise Tomaten in etlichen Farben und Formen sowie Mini-Chicorée und -Spitzpaprika zählen. Alle Flandria-Produkte tragen das Label „Responsibly Fresh“, dem vier Eckpfeiler zugrunde liegen: „umweltschonender Anbau, Biodiversität, räumliche Nähe und verantwortungsvoller Umgang mit Nahrungsmitteln.“

Auf Obst und Gemüse aus Europa und Übersee hat sich Port International in Hamburg spezialisiert. Weil das Unternehmen auf Innovationen großen Wert legt, importierte es schon vor über 20 Jahren nicht nur Bio-, sondern auch Fairtrade-Produkte.

Mit „BE CLIMATE“ launchte es 2019 die erste Marke für CO2-neutrales 2 Obst und Gemüse. Und davon können sich die Kunden persönlich überzeugen: „Bei BE CLIMATE kann jeder über einen QR-Code oder die ID-Nummer einfach und unmittelbar überprüfen, welchen konkreten Beitrag er mit seiner Entscheidung, klimaneutral zu kaufen, geleistet hat“, so Karlsson Port, Key Account Manager bei Port International.

Weniger Plastikmüll, längere Haltbarkeit

Um nachhaltigeren Konsum zu ermöglichen, gelangt auch immer mehr unverpacktes Obst und Gemüse in den Handel.

Damit die verderbliche Ware trotzdem geschützt wird, kann eine spezielle Biobeschichtung zum Einsatz kommen. Die REWE Group testet die als "Coating" bezeichnete Schutzhülle auf Fruchtzuckerbasis bereits in mehreren hundert Märkten.

Store-Trends: Obst & Gemüse mit Wow-Effekt

„Wir sehen darin ein innovatives Verfahren, die Haltbarkeit ausgewählter Früchte wie Avocados, Limetten oder auch Kernobst signifikant zu verlängern. Das ist für uns als Händler ebenso vorteilhaft wie für unsere Kunden“, sagt Eugenio Guidoccio, Geschäftsleitung Ware Ultrafrische 1 bei der REWE Group.

Zum Sortiment der großen Supermärkte gehören seit einiger Zeit auch die Fresh-Cut-Produkte. Wobei es weniger um Salate geht, obwohl sie in ihrer Sparte den Löwenanteil der Verbraucherausgaben auf sich vereinen. Gemeint ist das frische, geschnittene Obst, das Konsumenten hauptsächlich im hektischen Arbeitsalltag verzehren.

Während es vor Corona einen Boom erlebte, musste es seit Beginn der Pandemie sinkende Absatzahlen verzeichnen. Dank der zunehmenden Lockerungen befindet es sich jedoch wie der auf Wachstumskurs, wie die jüngsten Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung beweisen.
IMAGO / Panthermedia
Im naschfertigen Obst landen oft exotische Früchte wie Kiwis oder Ananas. Mit Ersteren beliefert Protofanousi Fruits den Weltmarkt. Das griechische Familienunter nehmen blickt auf eine Rekordsaison zurück – was bedeutet, dass es seine Vorjahresernte um 2000 Tonnen übertrifft. Wie die Firma mitteilt, tut eine derartige Mengensteigerung dem hervorragenden Geschmack der Kiwis aber keinen Abbruch.

Dass deutsche Landwirte versuchen, diese Früchte in größeren Mengen zu kultivieren, ist bisher nicht bekannt. Allerdings erobert Pak Choi aus heimischem Anbau immer mehr den Handel. Das gilt auch für Physalis: Die kirschengroßen Früchte wachsen inzwischen auf Pfälzer Äckern. Sie zählen zu den Local Exotics, in denen sich der Wunsch nach lokal hergestellten Lebensmitteln mit der Lust auf exotische Genüsse vereint. Darin sieht Hanni Rützler, Trendforscherin des Zukunftsinstituts, einen der wichtigsten Food-Trends für 2022.

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