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Chancen im Wettbewerb

Näher und frischer: Wie Supermärkte Amazon, Gorillas und Co schlagen können

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Lieferdienste punkten mit Schnelligkeit und profitieren von der Bequemlichkeit der Kunden. Was kann der POS dem entgegensetzen?

Dieser Tage hat Amazon Fresh in Hamburg ein neues Depot eröffnet. Das Versprechen: mehr Flexibilität und mehr Tempo bei der Lebensmittel-Lieferung. Bestellungen können nun innerhalb von 3 Stunden bequem bis zur Haustür geliefert werden.

Mit Amazon im Nacken und mit immer mehr Verfolgern in Form vom Lieferdiensten muss der klassische Supermarkt mehr denn je fürchten, dass ihm Amazon, Picnic und Co die Butter vom Brot nehmen.

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Was also tun?
Bange machen gilt nicht.

Der Supermarkt hat immer noch zentrale Vorteile gegenüber Tech-Titanen und flinken Start-ups. Er muss sie nur ausspielen.

1. Die Frische

Sie ist Herz und Visitenkarte des Lebensmittelhandels. Hier wird die Kundenloyalität entschieden. Denn trotz aller Automatisierungen und Künstlicher Intelligenz kennt sich niemand so gut mit Frische aus wie das Team im Supermarkt.

Und: Es wird noch lange dauern bis der Kunde dem Frische-Angebot von Amazon und Co nachhaltig Vertrauen entgegenbringt. Trotzdem wird auch hier Spezialisierung wichtig. Lieber Wassermelonen-Pflaume bieten statt noch mehr Allerwelts-Kartoffeln. Soll die doch der Kurierfahrer in den Rucksack packen.

2. Die Nähe

Der Lebensmittelhandel hat lange und vertrauensvolle Beziehungen zu lokalen und regionalen Erzeugern. Sie bilden eine lokale Gemeinschaften. Das spürt auch der Kunde. Diese Nähe kann keiner der Rivalen so leicht kopieren. Zudem werden etliche regionale Anbieter Kooperationen mit Riesen wie Amazon scheuen. Regionalität kann also ein Alleinstellungsmerkmal sein.
Aber Vorsicht: Auch die Start-ups haben die Bedeutung regionaler Partnerschaften erkannt, bauen ihre Kooperationen aus.

3. Die Waren

Die Online-Anbieter leiden immer wieder unter Lücken bei Warenverfügbarkeit und Sortiment, als habe man beschlossen, die Toilettenpapier-Krise auf breiter Front zu kopieren. Gut für Supermärkte, die bei der Warendisposition auf Zack sind. Denn es gibt keinen schnelleren Weg, einen Kunden abzuschrecken, als ihm ein leeres Online-Regal zu präsentieren oder ihm mitzuteilen, dass das gewünschte Produkt nicht mehr vorrätig ist.
Wir müssen uns anstrengen mit dem, was wir gut können: Frische, Bio, Regionalität, Nachhaltigkeit.
Jürgen Norbert Baur, Edeka
Hinzu kommt: Oft reicht das Sortiment der Start-ups nur für Standard-Artikel. Dagegen ist jeder Nachbarschafts-Supermarkt mit 300 Quadratmetern ein Feinkost-Fachgeschäft.
Der Supermarkt kann nämlich die Produkte bieten, die der Kunde am Standort haben will. Und das oftmals von jetzt auf gleich. Das kann das Marktteam vor Ort immer noch besser als jeder Algorithmus und jede Künstliche Intelligenz. Sonderwünsche inklusive. Viel Spaß beim Versuch, einen Herzenwunsch einer App zu erklären, die das dann vermutlich als Einzelmeinung im Datennirvana verbucht. Für Kaufleute aber ist jeder einzelne Kunde wichtig.

Jürgen Norbert Baur, einer der umsatzstärksten Edeka-Kaufleute, fasst es in der LZ klug zusammen: "Wir müssen uns anstrengen mit dem, was wir gut können: Frische, Bio, Regionalität, Nachhaltigkeit. Diese Punkte müssen wir weit nach vorne schieben, um uns zu differenzieren. Wir müssen den Einkauf für den Kunden so angenehm wie möglich machen, ihm Erlebnis und Lebendigkeit bieten. Durch Gastronomie und gut ausgebildete Mitarbeiter."

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