Kolbrücks Kracher: Endgültig geklärt: Warentr...
Kolbrücks Kracher

Endgültig geklärt: Warentrenner vorne oder hinten?

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Der Warentrenner im Supermarkt. Wer legt ihn auf dem Kassenband an der Kasse hin? Und wo? Fragt man zwei Handelsexperten, bekommt man drei Meinungen. Dabei ist die Lösung ganz einfach.

Inflation. Corona. Krieg.
Habt Ihr gerade keine anderen Sorgen als den Warentrennstab?
Könnte man meinen.

Aber große Dinge beginnen im Kleinen. Eben beispielsweise beim Warentrenner. Der ist quasi ein Symbol für unsere Zeit.

1.  Weil es kein Gesetz dazu gibt, muss der Deutsche hier Eigenverantwortung, die ja gerade jetzt so eingefordert wird, zeigen und einüben.

Geklappt hat das mit der Eigenverantwortung, zumindest soweit es Warentrenner angeht, übrigens bislang zuweilen eher so lala. Diese kleinen Dinger, kaum länger als 30 Zentimeter, können nämlich üble Konflikte heraufbeschwören. Von Zoff und Handgreiflichkeiten, bei denen ein Warentrenner der Stein, pardon Stab des Anstoßes war, berichtete beispielsweise 2020 der Münchner Merkur.

2. Außerdem ist die fortdauernde Frage nach der Zuständigkeit für den Kassentrenner, Kundentrenner oder eben Warentrenner auch Ausdruck für die Unsicherheit in dieser globalen Welt. Die kommt eben nicht erst zustande, weil alles im Leben immer komplexer wird. Sie beginnt schon bei vermeintlich unterkomplizierten Dingen wie eben dem Warentrenner. Da tut etwas mehr Klarheit Not.

Denn als Werkzeug für mehr Struktur auf dem Kassenband steht der Warentrenner für Ordnung, Sicherheit und Privatsphäre. Und das zum Kostenpreis für ein paar Euro.

Wäre da nicht diese quälende Unsicherheit der Kunden. Wer legt den Warentrenner aufs Band - der Vordermann oder ich? Und wo? Vor mir? Hinter mir?

Deutschland ist gespalten

Eine Kurzumfrage im Freundes- und Bekanntenkreis zeigt: Es ist kompliziert.

Das belegen auch repräsentativere Umfragen. Über die Hälfte der Deutschen findet, dass jeder selbst dafür verantwortlich ist, den Warentrenner auf das Band hinter die eigenen Einkäufe zu legen. Jeder Achte meint indes, dass gute Stück gehöre vor die eigenen Einkäufe. Etwa einem Fünftel ist die Nutzung des Warentrenners ziemlich gleichgültig. Zu diesem Ergebnis kam 2016 eine Umfrage von Mymarktforschung.de.

Klar ist die Sache damit also noch lange nicht. Man muss nur die Fülle an Fragen rund um die richtige Nutzung des Warentrenners auf gutefrage.net sehen, um zu wissen, Deutschland ist in dieser Frage weiter zutiefst verunsichert.

Selbst Akademiker mit Doppel-Doktortitel scheitern.
Der Warentrenner gibt in unsicheren Zeiten Halt und Orientierung.
Im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt Dr. Dr. Rainer Erlinger den Warentrenner zur „Gewissensfrage“ und sieht „etwas passiv-aggressives“ in dem Stab: „Fast immer erkennt man an den Gesichtern, dass es hier um so etwas wie Revierabgrenzung geht, oft gepaart mit unter- oder überschwelligen Vorwürfen, dass man diese Grenze zieht oder eben nicht gezogen hat.“

Dr. Dr. Rainer Erlinger rät daher dazu, den Menschen in die Augen zu sehen und zu lächeln. Dann sei es auch egal, wer den Trenner setzt.

Das finde ich nun gerade nicht.
Diese Gleichgültigkeit öffnet dem Chaos Tür und Tor, ist vielleicht auch ein Symbol für den fortschreitenden Untergang des Abendlandes. Mindestens aber ist der Warentrenner in diesen unsicheren Zeiten ein Symbol, das uns jetzt Halt und Orientierung geben kann.

Gleichgültigkeit und das Rätselraten um die richtige Etikette ist dabei unnötig.

Denn wir haben die Experten gefragt. Die Leser von LZdirekt bei Instagram.
Sie sagen mit einer überwältigenden Mehrheit von über 80 Prozent, dass man den Warentrenner beim Einkauf hinter sich aufs Band legt.
Internationales Phänomen
Der Warentrenner, auch Warentrennstab, Kassentrennstab, Trennholz, Trennbalken oder Dings genannt, ist übrigens kein deutschen Phänomen. Briten und Amerikaner nennen ihn  „shopping divider“ und „cashier-bar“, in Frankreich sind „Séparateur de marchandises“ und „Triangle" gebräuchlich. In der Schweiz klingt die „Kassentoblerone“ sympathisch.
Das ist übrigens so logisch wie höflich und effektiv. Denn so signalisiert der Kunde dem hinter ihm Stehenden, dass er nun alle Einkäufe aufs Band gelegt hat und der nächste Kunde problemlos mit dem Auflegen beginnen kann.

Kolbrücks Kracher gibt es exklusiv jeden Donnerstag auf LZdirekt.de.
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