Kolbrücks Kracher: Personalmangel: Die Krise ...
Kolbrücks Kracher

Personalmangel: Die Krise ist hausgemacht

Gatot Adri/shutterstock

Der Lebensmitteleinzelhandel stöhnt weiterhin über Personalmangel. Daran sind Händler und Handelsketten nicht ganz unschuldig. Wer daran etwas ändern will, muss umdenken.

Es ist ein heiteres kleines Video, dass Rewe Artischewski da gerade bei Instagram zeigt.

Mitten im Markt in Kaltenkirchen steht dort Jörg Arteschewski mit einer Angel im Markt und angelt nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Und?

Er hat tatsächlich etwas gefangen.
REWE_Artischewski/Instagram

Damit hat er mehr Glück als manch ein Kollege.
Denn die Personalnot im Lebensmitteleinzelhandel bleibt hoch, führt teilweise sogar dazu, dass Öffnungszeiten reduziert werden müssen.
Das hat gleich mehrere Gründe.

Einer ist: Das liebe Geld. Aldi und Lidl haben den Mindestlohn auf 14 Euro angehoben. Doch bei den Mitbewerbern heißt es mehrheitlich „Geht nicht, gibt’s nicht.“

Es geht nicht nur ums Geld

Was es dafür genug gibt: Überstunden. Die Gruppen bei Facebook sind voll über Klagen wegen Überlastung.

Doch es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um die Work-Life-Balance. So können die Mitarbeiter bei Globus wählen zwischen einer prozentuale Einkommenserhöhung oder bis zu sieben Tage Extra-Urlaub. 50 Prozent der Angestellten entschieden sich zuletzt für freie Tage. Eine Ausnahme. Andernorts übersetzt man Work-Life-Balance gerne mit "Dienstplan".

Dabei ist eben auch wichtig, was der Seele guttut. Doch gerade da wird gerne gespart. Beispielsweise bei Team-Events. Da wird vielfach nur das Nötigste unternommen. Nur eine Minderheit der Supermärkte nutzt auch außer der Reihe solche gemeinsamen Veranstaltungen, um sich bei den Mitarbeitern zu bedanken. Dabei gehören gerade diese Märkte oft zu den erfolgreichsten Supermärkten in Deutschland.

Das zeigt zugleich, woran es den Mitarbeitern in vielen Märkten am meisten fehlt: Wertschätzung.
Wäre die besser, würde sich wohl auch manch ein Euro weniger und manche Überstunde besser verkraften lassen.

Neue Kennzahlen braucht das Land

Das ist aber nicht allein die Verantwortung von Kaufleuten und Marktleitern. Sondern auch Folge des Denkens in den Handelszentralen, das vor allem auf Abschriften, Umsatzvolumen und Kosten schaut.
"Die Kunden werden ein Unternehmen erst dann lieben, wenn die Mitarbeiter es lieben."
Simon Sinek


Dabei braucht es in den Märkten eigentlich ganz neue Kennzahlen.
Wer den Personalmangel beheben will, der muss nämlich auch andere Parameter kennen und gewichten.

Vier Ideen:
Wie sieht es beispielsweise mit der Mitarbeiterzufriedenheit aus?
Wie hoch ist die Fluktuationsrate?
Wie hoch ist die Weiterempfehlungsbereitschaft der Mitarbeiter?
Oder man nimmt als "Key Perfomance Indikator" auch die Menge der lustigen Team-Videos wie bei Rewe Artischewski oder hier bei Rewe Scherfede in die Bilanz mit auf. Derlei ist immer ein guter Hinweis, dass man in einem Markt etwas mehr vom Angeln und Menschen versteht.
Denken Sie daran: Kundenorientierung ist zu allererst Mitarbeiterorientierung. Oder wie es der Unternehmensberater Simon Sinek formuliert: "Die Kunden werden ein Unternehmen erst dann lieben, wenn die Mitarbeiter es lieben."

Kolbrücks Kracher gibt es exklusiv jeden Donnerstag auf LZdirekt.de.

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