Kolbrücks Kracher: Ende der Maskenpflicht: Te...
Kolbrücks Kracher

Ende der Maskenpflicht: Teure Katastrophe mit Ansage

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Maske runter im Supermarkt. Auch an Kasse und Theke. Supermärkte steuern damit geradewegs in die nächste Katastrophe. Und die wird teuer.

Seit dieser Woche ist nahezu überall Schluss mit der Maskenpflicht. Trotz hoher Inzidenzen.
Stattdessen gelten „Freiheit“ und „Eigenverantwortung“.

Die trägt manch einer nun vor sich her wie einen Orden und freut sich, an der Kasse oder der Theke ohne Maske gegenüber den Kunden ein freundliches (oder, das gibt es ja auch) gelangweiltes Gesicht machen zu können.

Oder man trägt die Maske weiter. So wie derzeit (noch) die meisten Kunden und etliche Kollegen.

Das Durcheinander ist jedenfalls groß. Die Verwirrung darüber, was gilt, auch.

Für Regie-Märkte gibt es punktuell zentrale Vorgaben, die von den Mitarbeitern zumindest noch bis Ende April das Tragen einer Maske erbitten. Wenn der Marktleiter das dann auch durchsetzen will – oder kann.  
Die selbständigen Kaufleute machen das, was sie schon immer gemacht haben. Sie machen, was sie wollen. Es gilt das Hausrecht. Mal mit Maske, mal „oben ohne“.
Und es gibt jede Menge Empfehlungen. Die so zwingend wirken, wie Diätvorsätze vor einem offenen Nutella-Glas.

Oder es gibt die Logik.
Und die sagt: Maske auf. An der Kasse. An der Theke.

Die Logik ist einfach.

Und nein, es geht dabei nicht um Kunden, von denen einige nun eine Abstimmung mit den Füßen machen.
Es geht einfach um die betriebswirtschaftliche Logik.
Denn die inzwischen kursierenden Varianten mögen in der Masse weniger schwere Krankheitsverläufe verursachen. Doch sie können weiterhin Mitarbeiter in Serie ins Krankenbett schicken.

Was dann passiert, muss man sich nicht ausmalen. Das konnte man schon in den vergangenen Wochen bei Kollegen abfragen.

Fleischtheken, die stunden- oder tageweise geschlossen bleiben. Kassen, die über lange Zeit unbesetzt bleiben müssen, lange Schlangen, die Kunden den Wochenendeinkauf vergrätzen.
„Oben ohne“ kann man sich erlauben, aber nicht leisten.
Schon vor dem Ende der Maskenpflicht berichteten beispielsweise Edeka-Regionalgesellschaften von „historischen Krankenständen“ von über 10 Prozent.
Dass dies ohne Maskenpflicht besser wird, ist so wahrscheinlich wie Weihnachtsbutter im Hochsommer.

Am besten also jetzt schon mal „Frohe Ostern“ wünschen und „Urlaubssperre“ auf die Personalplanung schreiben.

Es ist zudem mehr als nur ein bisschen unbequem.
Infektionsschutz
Um Ausbrüchen vorzubeugen sieht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales als Basisschutzmaßnahmen zum Infektionsschutz bei der Arbeit übergangsweise bis einschließlich 25. Mai 2022 vor: ein Mindestabstand von 1,50 Meter , eine Maskenpflicht überall dort, wo kein ausreichender Schutz vorhanden ist und regelmäßige Testmöglichkeiten.
Es kann auf Dauer wirtschaftlich sehr ungesund werden, wenn plötzlich Abteilungen länger brach liegen, Theken nicht betreut, Regale nicht aufgefüllt werden können. Das kann schnell mehr werden als ein kleiner Schnupfen in der Bilanz. Denken Sie daran, dass 10 Prozent weniger Umsatz rund 50 Prozent weniger Deckungsbeitrag bedeuten.

So sabotiert man sich dann für textile Freizügigkeit also selbst. Zur Freude des Onlinehandels und der
Wettbewerber, die nur zuschauen müssen, wie der maskenfreien Filiale, die margentechnisch vielleicht ohnehin gerade hüstelte, nun vollends die Luft ausgeht.

Die Logik ist also ganz einfach. „Oben ohne“ kann man sich erlauben, aber man sollte es sich nicht leisten.

Kolbrücks Kracher gibt es exklusiv jeden Donnerstag auf LZdirekt.de.
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