Technologie: Kunden stehen auf Self-Scanning ...
Technologie

Kunden stehen auf Self-Scanning und Self-Checkout

IMAGO / Manfred Segerer
"Scan and Go"-Angebot bei Globus.
"Scan and Go"-Angebot bei Globus.

Die Corona-Krise hat deutlich gemacht: Wer bei der Digitalisierung nicht auf der Höhe der Zeit ist, wird abgehängt. Self-Scanning, Self-Checkout und personalisierte Marketing-Angebote auf dem Smartphone gehören zum Lebensmittel-Shoppen der Zukunft.

Die Gründe für den Trend liegen auf der Hand. Kunden können aktiv Produkte scannen, haben einen Überblick über die Die Gründe für den Trend liegen auf der Hand. Kunden können aktiv Produkte scannen, haben einen Überblick über die Kosten, profitieren von Sonderangeboten.
Außerdem kaufen sie hygienisch und kontaktfrei ein und sparen Zeit, weil sie sich nicht in die teils lange Kassenschlange einreihen müssen.

Das Thema Self-Checkout (SCO) hat durch die Corona-Krise besonders an Fahrt gewonnen, da sich Händler und Kunden davon ein kontaktreduziertes Einkaufen versprechen. Die Zahl der stationären Self-Checkout-Systeme hat sich in Deutschland laut EHI von 2017 bis 2019 fast verdoppelt. Die meisten Terminals stehen nach wie vor in Ikea-Märkten.
Self-Checkout-System von Diebold Nixdorf im neuen Combi-City-Format.
Reinhard Rosendahl
Self-Checkout-System von Diebold Nixdorf im neuen Combi-City-Format.
Aber auch die Edeka-Gruppe, Kaufland, die Rewe-Gruppe und Bünting erweitern ihr Angebot. Deutschland gehört beim Thema Self-Checkout aber nicht zu den Treibern. Es gibt viel Investitionsbedarf. Während in Großbritannien jede 15. Kasse ein Self-Checkout ist, gilt das hierzulande erst für jede 158. Kasse, so das Ergebnis einer Studie des britischen Marktforschungsunternehmens RBR.

Self-Scanning ist (fast) schon Alltag

Self-Scanning ist die mobile Variante des Self-Checkouts. Dabei scannt der Kunde direkt am Regal die Produkte. Entweder mit einem vom Markt bereitgestellten Handheld oder mit dem eigenen Smartphone. Auch diese Lösung erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Rewe-Kunden können mit einem Handheld von Zebra Technologies oder mit dem eigenen Smartphone Produkte während des Einkaufs erfassen und an der Self-Checkout-Kasse per Handy oder Karte bezahlen.
Rewe
Rewe-Kunden können mit einem Handheld von Zebra Technologies oder mit dem eigenen Smartphone Produkte während des Einkaufs erfassen und an der Self-Checkout-Kasse per Handy oder Karte bezahlen.
Hauptverantwortlich dafür ist der SB-Warenhaus- und Baumarkt-Betreiber Globus, der einen Großteil seiner Märkte mit dieser Technik ausstattet. Aber auch Rewe drückt mit seinem Scan & Go-Angebot aufs Tempo und will sein Verfahren 2021 deutschlandweit auf 100 Filialen ausweiten. Der Rewe-Discounter Penny ist mit dem Programm „Werde Schnellzahler“ ebenfalls am Start. Edeka samt Discount-Tochter Netto springen natürlich auch auf den Zug auf und testen intensiv in mehreren Märkten. Kaufland bietet ebenfalls Self-Scanning in einigen Filialen an. Bei Lidl-Märkten hält sich Schwarz in Deutschland noch zurück, testet aber im Ausland. Aldi hat bisher nichts zum Thema verlauten lassen.
Hier gibts noch mehr Innovationen
Der Lebensmittelhandel investiert zunehmend in die Digitalisierung der Läden. Wie High-Tech und Software am Regal, an der Kasse, für Mitarbeiter und Kunden Einkaufserlebnis und Management verbessern können, das zeigt das LZ direkt Whitepaper "Retail Technology" auf insgesamt 40 Seiten. Hier geht's zum Download.

Hybrid-Lösungen

Kassentische für Self-Service werden heute individuell zusammengebaut. Die Bedürfnisse sind vielfältig. Unter anderem geht es darum, die Anzahl der Diebstähle gering zu halten und die Altersüberprüfung beim Kauf von Alkohol und Tabakwaren zu erleichtern. Es gibt halbautomatische Kassensysteme, bei denen die Ware mit einem 360-Grad-Scanner gecheckt wird. Außerdem Modelle, bei dem der Scan & Go-Einkauf per Gewichtssensoren und Bilderkennung am Ende verifiziert wird.

Auch Self-Service-Systeme, die eine Tabak-Abgabe möglich machen, sind im Angebot. Fortschrittlich in Sachen Validierung ist beispielsweise der Supersmart von Bizerba. Der Kunde stellt dabei seinen Einkaufswagen einfach auf eine Art futuristische Waage. Das System erfasst an and von Gewicht und visuellen Daten, ob die Angaben stimmen.
Edeka Seidl im Kulmbacher Fritz-Center testet den Supersmart.
Edeka Seidl
Edeka Seidl im Kulmbacher Fritz-Center testet den Supersmart.
Auf der Herstellerseite stehen eine Reihe von Anbietern bereit, individuelle Lösungen für den Handel zu finden, die den Anforderungen an moderne POS-Systeme, modulare Checkout-Systeme, mobile Selbstscan-Lösungen entsprechen.

Auch ein Zusammenspiel unterschiedlicher Partner ist dabei möglich. Beispiel Bünting: Die Handelskette setzt im Famila Markt in Vechta auf Self-Scanning. Es kommen 66 Geräte von Zebra zum Einsatz, um den Kunden das Erfassen und Einpacken der Ware zu erleichtern. Gemeinsam mit der Integration von Selbstbedienungskassen optimieren und verkürzen diese den Checkout-Prozess. Bünting vertraut dabei dem Technologiepartner Diebold Nixdorf und nutzt die DN Vynamic Software Suite. Diebold Nixdorf wiederum ist auch mit eigenen Self-Checkout-Lösungen auf dem Markt.
Der Wandel macht vor keiner Branche halt. Der französische Hersteller und Händler von Sportgeräten und -bekleidung Decathlon setzt in seinen Filialen auf die Scan & Go-Lösung des Microsoft Partners und Spezialisten für Self-Checkout MishiPay.

Das wollen die Kunden

Aber wollen die Kunden überhaupt selbst scannen und bezahlen? Und wie ticken Kunden, die diesen Service wünschen? Diesen Fragen widmet sich die Nielsen „International Grocery Shopper and Technology Survey“-Studie. Sie zeigt auf, welche Technologie für welchen Kunden-Typen passt.

Die Studie hat sechs verschiedene Shopper-Typen ermittelt, mit ganz schön kompliziert klingenden Namen.

  • 1. Die „Well-Balanced Traditionalists“ sind von langjährigen Gewohnheiten geprägt und haben Einzelhandel und Technologie noch nicht miteinander verbunden.
  • 2. Die „Sensible Socializers“ müssen sich mit Lösungen wohl fühlen, bevor sie sie einsetzen. Darüber hinaus weisen sie eine gewisse Vorliebe für menschliche Interaktion auf.
  • 3. Die „Hesitant Potentials“ sind im Allgemeinen technisch versiert, legen aber hohen Wert auf Privatsphäre und Datenschutz – sie müssen vom Wert und Nutzen neuer Lösungen erst überzeugt werden.
  • 4. Die „Hands-On Pragmatists“ sind in hohem Maße selbstbestimmt und suchen nach Lösungen, die ihnen Zeit sparen.
  • 5. Die „Modern Convenience Seekers“ schätzen ausführliche Informationen und erwarten ein nahtloses Einkaufserlebnis, unabhängig von der Wahl des Kanals.
  • 6. Die „Aspirational Tech Fans“ sind in der Regel die Early Adopter – sie suchen immer nach neuen Erfahrungen und werden die ersten sein, die neue Optionen ausprobieren, wenn sie ihnen von den Geschäften ihrer Wahl angeboten werden.

Noch mehr Ideen, Trends, Tipps und Anekdoten gibt es täglich auf Instagram und Facebook. Bleiben Sie über die aktuellen Entwicklungen am POS auf dem Laufenden und abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter.
stats