Social-Media für Supermärkte: TikTok-Helden a...
Social-Media für Supermärkte

TikTok-Helden am Bodensee

Edeka Esslinger
Online-affine Jungkaufleute: Johannes Esslinger, Lars Diedrich (Azubi Frischespezialist) und Pascal Seifert (v.l.)
Online-affine Jungkaufleute: Johannes Esslinger, Lars Diedrich (Azubi Frischespezialist) und Pascal Seifert (v.l.)

Lebensmittel verkaufen ist viel mehr als Regale einräumen und abkassieren. Auch Warenwissen, Kreativität, Humor und Medienkompetenz sind gefragt. Edeka Esslinger in Weißensberg setzt medientechnisch Maßstäbe. Auf dem Social-Media-Kanal TikTok hat das Team mehr als 90.000 Follower und 1,5 Millionen Likes.

Edeka-Kaufmann Johannes Esslinger (30) führt mit seinem Vater Herbert auf insgesamt 6.000 Quadratmetern vier Märkte in Weißensberg, Kressbronn, Langenargen und Neuravensburg. Verantwortlich für Webseite und Social-Media-Kanäle ist Geschäftsleiter Pascal Seifert (28). Auf ihren Online-Auftritten zeigt die Mannschaft, mit wie viel Spaß und Power sie ihren Job macht. Seit November 2019 posten die Mitarbeiter regelmäßig Videos auf TikTok. Und hat haben damit mehr als 90.000 Follower und 1,5 Millionen Likes erreicht.

Ihr erfolgreichstes Video dreht sich – natürlich – um Corona und Toilettenpapier. Man findet es wie alle anderen unter tiktok.com/@edekaesslinger. Darin ziehen drei Mitarbeiter mit Toilettenpapier umwickelt auf Rollis den Nachschub aus dem Lager. Gedreht hat Pascal Seifert das Video in wenigen Minuten mit seinem Iphone. Das Ergebnis: 5.000.000 Aufrufe, 400.000 Likes, mehr als 3.000 Kommentare, und der Clip wurde mehr als 23.000 Mal geteilt. Sogar die Social-Media-Experten von „Storyclash“ haben über Edeka Esslinger berichtet. 

An der Liane durch den Markt

Rund 20 ihrer Videos haben Likes im fünfstelligen Bereich. Alle sind ein bisschen schräg und haben eine leicht provozierende Spitze. Aber nie extrem. Das Team beleidigt niemanden und verletzt keine Marktvorschriften hinsichtlich Sicherheit oder Hygiene. In einem Video schwingt der Chef höchstpersönlich wie an einer Liane über dem O&G-Regal. „Wenn Kunden mitbekommen, dass wir ein Video drehen, finden sie das super. Sie stehen dann an der Seite und klatschen Beifall“, erzählt Pascal Seifert.

Der Zeit- und Geldaufwand für die TikTok-Videos hält sich in Grenzen. In 99 Prozent der Fälle sind es Videos, die schnell und improvisiert mit dem Iphone gedreht, mit Musik unterlegt und Effekten bearbeitet sind. Kostenlose Chart-Hits und ständig neue Effekte dürfen auf TikTok kostenlos verwendet werden.

Und was bringt TikTok fürs Geschäft?

Erstens ist es gut fürs Image: In den Kommentaren auf der Plattform hagelt es Lob wie „Ich möchte nur noch bei diesem Edeka einkaufen, wo Menschen mit Humor arbeiten!“ oder „Was sind das bitte für coole Socken?“. Zweitens kann es neue Mitarbeiter und Kunden für den Markt bringen. Vor allem, wenn man junge Menschen erreichen will: „Wir haben ein Video über Frischespezialisten veröffentlicht. Das haben zwei Jungs gesehen, die in diesem Sommer die Ausbildung zum Frischespezialisten bei uns angefangen haben“, sagt Johannes Esslinger.

Der Mix macht es

Der Kaufmann empfiehlt, sowohl Facebook, Instagram als auch TikTok mit einem Mix aus Beiträgen über Neuprodukte, Foodtrends, lokale Lieferanten, Heimatverbundenheit, Mitarbeiterstimmung und dem von Edeka gelieferten Medienradau zu bespielen. Aber auch, dass es einen Verantwortlichen gibt, der immer aktiv dabei ist. Mit dem Handy Kommentare checkt, Fragen beantwortet und aktiv kommentiert. Am besten immer mit einem lustigen, leicht provozierenden Tonfall. „Niemals Beiträge löschen!“, sagt Pascal Seifert.
How to TikTok - Tipps von Edeka Esslinger
    • Die Videos dürfen maximal 60 Sekunden lang sein. Sonst schalten die Viewer ab.
    • Die Mitarbeiter sollten Spaß daran haben, sich im Video und in den Kanälen zu zeigen.
    • Am wichtigsten ist die lustige Idee. Sie kann in wenigen Minuten umgesetzt werden.
    • Aktiv kommentieren und auf Fragen und Kommentare reagieren.
    • TikTok-Nutzer sind jung, deshalb den Kanal auch zum Rekrutieren nutzen.
    • Immer die neueste Musik, Effekte, Filter und Trends in der App checken.
    • Beliebt auf TikTok sind kleine Wettkämpfe. Überlegen, welche passen könnten. Ein Negativ-Beispiel war die Kulikitaka-Challenge. Eine nicht ungefährliche Aktion, bei der Tiere unnötig gestresst wurden.
    • Auch Memes kommen gut an. Memes sind Bilder und Kurzvideos mit lustigen, satirischen und gesellschaftskritischen Schriftzügen.
    • Immer überprüfen, was die Konkurrenz macht, auch dort liken und kommentieren.

 Stattdessen Kritik humorvoll kommentieren. „Ein Kommentar von uns auf eine Kritik unseres Beitrags wurde 50.000 Mal geteilt.“ Und was planen die TikTok-Helden für die Zukunft? „Wir sind immer unzufrieden“, sagt Johannes Esslinger. „Und wollen immer wieder etwas Neues und Besseres machen. Mit dieser Einstellung wird‘s nie langweilig!“
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