Metzgermeister Sven Freyberger: Wie wird man ...
Metzgermeister Sven Freyberger

Wie wird man eigentlich Gewürzsommelier?

Sven Freyberger
Fleisch und Gewürze sind seine Leidenschaft: Metzgermeister Sven Freyberger spricht über seine Ausbildung zum Gewürzsommelier.
Fleisch und Gewürze sind seine Leidenschaft: Metzgermeister Sven Freyberger spricht über seine Ausbildung zum Gewürzsommelier.

Sven Freyberger ist Fleischsommelier und Metzgermeister. Und auch Gewürzsommelier. Bitte was? Und wie wird man das? Im Interview spricht er außerdem über Durchfallquoten und Geheimtipps für den Grill.

Herr Freyberger, Sie sind Metzgermeister und Fleischsommelier. Mit ihrem Bruder Dirk betreiben Sie zwei Metzgereien in Nürnberg. Wie sind Sie Gewürzsommelier geworden?

Sven Freyberger: Ich habe 2018 bei der Genussakademie in Kulmbach ein Stipendium für die Weiterbildung zum Gewürzsommelier gewonnen. Aromen und Geschmack haben mich immer fasziniert. Ich probiere beispielsweise gern rohes Fleisch, zumindest, wenn ich es vorher selbst gekauft und zerlegt habe. Die Ausbildung hat insgesamt 14 volle Tage gedauert, mit Sommelierabend und Abschlussprüfung.


Was haben Sie gelernt?

Der Gewürzsommelier war die tollste Ausbildung am Rande meines Fachgebiets. Horizonterweiterung und Ernährung neu gelebt. Die Dozenten waren hochkarätig. Tolle Leute wie der Koch und Gewürzexperte Ingo Holland oder Spitzenkoch Heiko Antonjewicz. Die Leiterin, Dr. Manuela Mahn, ist promovierte Gewürzexpertin, sie lebt für das Thema. Bei ihr fallen regelmäßig auch 20 Prozent durch.


Aber Sie haben's geschafft?

Ich hab's beim ersten Anlauf geschafft. Das Diplom hängt jetzt in der Metzgerei. 


Würden Sie die Weiterbildung empfehlen?

Auf jeden Fall. Es ist eine gute Gelegenheit, um sein berufliches Netzwerk zu erweitern, und man trifft tolle Leute. Man lernt viel über Sensorik, Warenkunde, Hintergrundwissen, die Erzeugung, aber auch die Geschichte von Gewürzen. Man gewinnt tiefe Einblicke in die Welt der Aromen. Einen Tag lang ging es beispielsweise nur um Salz.


Was genau haben Sie in Ihren Berufsalltag mitgenommen?

Beim Würzen ist weniger mehr, vor allem beim Würzen von Fleisch. Beim Würzen von veganen Speisen kann man ruhig etwas "dicker auftragen." Qualität und Frische sind sehr wichtig. Und die richtige Lagerung. Am frischesten bleiben die getrockneten Kräuter in gut verschlossenen, blickdichten Metalldosen.

Welche Fehler machen Laien beim Würzen von Grillfleisch?

Ein gutes Stück Fleisch braucht keine Gewürz-Endkomposition. Eine Melange Noir (Dreipfeffermischung) und ein gutes Meersalz, das am Ende zum Finishen verwendet wird, reichen für ein hochwertiges, kurzgebratenes Stück Fleisch völlig aus. Man sollte dem Fleisch seinen Charakter lassen. Falls Sie ein Fan von mariniertem Fleisch sind: Vor dem Grillen auf jeden Fall die Marinade abstreifen, weil sie ansonsten Fehlaromen, Fehlfarben und Bittergeschmack erzeugt.


Was ist Ihr ganz persönlicher Geheimtipp für Ihr Lieblingsstück auf dem Grill?

Das New York Strip Steak. Das ist ein Roastbeef von der flachen Seite. Das Fleisch hat eine tolle Marmorierung und ist sehr saftig. Man merkt schon, dass die Amis uns 100 Jahre voraus sind mit ihren Cuts. Ich streue 2 bis 3 Stunden vor dem Grillen grobes Meersalz darauf und drücke es ein. Dann packe ich es im Metzgerpapier wieder in den Kühlschrank. 1 Stunde vor dem Grillen hole ich es wieder heraus. Der Grill sollte so heiß wie möglich sein, dann 6 bis 8 Minuten grillen, anschließend leicht nachgaren.  Vor dem Servieren mit zermörsertem rotem Kampot-Pfeffer bestreuen. 

Und grillen Sie manchmal auch Gemüse, wenn Ihre Kunden nicht hinschauen?

Ich bin generell der Meinung: Wir müssen das Fleisch mehr feiern. Fleisch hat absolut seine Daseinsberechtigung, aber wie wir es verwenden, ist nicht richtig. Ich esse nicht jeden Tag Fleisch. Manchmal brauche ich auch eine Fleisch-Pause und esse dann sehr gerne gegrilltes Gemüse. Mein Lieblingsgemüse auf dem Grill sind vorgegarte Karotten. Einfach mit Olivenöl, Rosmarin, Thymian und Honig bestreichen und am besten auf einer Platte grillen. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich mich daran sattgegessen habe (lacht).

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