Leergut-Debakel: Shitstorm über Edeka
Leergut-Debakel

Shitstorm über Edeka

IMAGO / blickwinkel

Für Edeka kam es gestern knüppeldick. Der Auslöser: Ein Tweet und ein Händler, der sich offenbar weigert größere Mengen Leergut anzunehmen.

„Flaschenleergut in größeren Mengen  
„Flaschensammler“ werden bei uns nicht mehr akzeptiert und an der Kasse nicht vergütet!!" prangt auf dem Zettel am Leergutautomaten in einem Edeka.

Das Bild teilte ein Nutzer bei Twitter. Den Standort Marktes hält er geheim. Es soll eine tagesaktuelle Aufnahme sein. Der Kommentar dazu gibt die Stoßrichtung der weiteren Debatte vor: „Wir lieben Vielfalt“, außer du bist obdachlos und bist darauf angewiesen, dass wir deine gesammelten Pfandflaschen annehmen, dann fuck off. #EDEKA sollte sich schämen“, twittert der Nutzer.

In der Tat sind für viele Nichtseßhafte Pfandflaschen eine wichtige Geldquelle. In manchen Städten wie Berlin ist es inzwischen sogar Brauch, vor allem Einwegpfand nicht mehr einfach in die Mülltonnen am Straßenrand zu werfen. Stattdessen stellt man sie daneben. So erspart man den Flaschensammlern im Müll zu wühlen.

Trend-Thema bei Twitter

Die Empörungswelle nach dem Tweet ist jedenfalls gewaltig. Über 300 Kommentare, 5000 Likes und über 1300 Retweets mit denen sich der Vorfall bandwurmartig weiter durchs Netz bewegt. Zeitweilig ist „Leergut“ Trend-Thema bei Twitter. „Edeka“ auch, aber nicht wegen des genialen Spots mit Marc Rebillet. Der wird in den Hintergrund gedrängt.

Es gibt nicht nur Kritik und Wut. Mancher droht sogar mit Kaufboykott von Edeka in Gänze.
Viele sind zudem verunsichert, ob sie mit ihrem Sack voller Flaschen und Dosen künftig auch am Leergutautomaten an den Pranger gestellt werden. So schadet der Einzelfall plötzlich allen Händlern.

Edeka Esslinger reagiert denn auch mit einem Aufklärungsvideo.

Die Rechtslage ist jedenfalls glasklar und lässt gerade bei Einwegpfand wenig Spielraum. Ausnahmen gibt es für Läden mit einer Verkaufsfläche unter 200: Sie müssen nur Leergut solcher Marken und Materialien zurücknehmen, die sie selbst im Sortiment führen. Und: Pfandbons gelten wie Gutscheine drei Jahre ab dem Ende des Jahres, in dem sie gedruckt wurden.

Nur wenige zeigen Verständnis. Sie vermuten nämlich eine unglückliche Formulierung und interpretieren den Zettel ganz anders, verweisen auf Probleme mit kleinen Lagerflächen, Notwehr gegen Pfandbetrug und professionelle Flaschensammler, die Wagenladungen voller Flaschen und Dosen herankarren. Manch ein  Nutzer bringt auch ganz ausführlich ganz praktische Erwägungen zur Sprache.

Doch derlei verhallt eher ungehört. Der Schaden ist da. Und dürfte teurer sein als so manches Flaschenpfand.

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